Sauber fischen

Nur vier Jahre nachdem er sein Unternehmen gegründet hat, hofft Marius Smit bald damit aufhören zu können. Während er den Plastikmüll der Kanäle Amsterdams verwendet, um Boote und Skateboards zu formen, träumt der 42-jährige vom klaren Wasser.

von Jonas Achorner

Als Marius Smit vor zwölf Jahren um die Welt reiste, sah er überall ein Problem: Plastikmüll. Dass wundervolle Strände dem Müll geopfert werden, machte ihn nachdenklich. Es entstand der Wunsch etwas daran zu ändern. Also fing er an. In seinem Garten in Amsterdam wollte er ein Boot aus Plastik bauen.

„Ich habe weder gewusst wie ich ein Boot lenken, noch wie ich es bauen kann“, sagt Smit heute über den Beginn seiner Unternehmung. Alleine konnte er seinen Traum vom Plastikboot nicht verwirklichen. Also erzählte er seinen Freunden von der Idee. Auf Facebook und Twitter. Verbunden mit der Welt durch die Sozialen Netzwerke fand er die Unterstützung, die er brauchte um zum Schiffsbauer zu werden.

Marius Smit: Fischer wider Willen © Natasja Noordervliet

Marius Smit: Fischer wider Willen © Natasja Noordervliet

Gemeinsam mit einer Gruppe Freiwilliger baute er aber nicht nur ein Boot aus Plastikmüll, sondern organisierte auch das erste „ Altes Amsterdamer Plastikfischen“. 450 Menschen kamen um mit Booten, Getränken und Essen durch die Kanäle von Amsterdam zu fahren und Müll zu sammeln. Ein Jahr später waren es schon 1.200. Zu dieser Zeit trat ein Unternehmen an ihn heran. Für dessen Belegschaft sollte Smit gemeinsames Plastikfischen organisieren. Frei nach dem Motto: Gutes tun, gut ausschauen und Teamfähigkeit steigern. Eine Geschäftsidee war geboren. Das Unternehmen Plastic Whale war gegründet.

Drei Jahre später nutzen fünfundvierzig Firmen Smits Expertise und Plastikboote. Das Plastik, welches sie aus Amsterdams Gewässern fischen, wird jedoch wiederverwendet. Mit dem belgischen Unternehmen, Ecover, hat Smit eine Kooperation. Die gesammelten PET-Flaschen werden Ecover von Smit übergeben. Daraus produziert die belgische Firma wiederum Verpackungsmaterial.

Während Smit andere Flaschen verwendet um weitere Plastikboote zu bauen, nutzt er den Drehverschluss der Flaschen um Skateboards zu backen. „Nachdem wir die Verschlüsse in einer Form schmelzen, geben wir das geschmolzene Plastik in eine Gussform und backen so unsere Skateboards“, erklärt Smit den Prozess sehr vereinfacht. Jedes Board ist einzigartig, die Kapseln sind noch sichtbar. Smits Idee ist es eine mobile „Skateboard-Bäckerei“ zu gründen. Bei Festivals möchte er dann die Verschlüsse einsammeln und vor Ort Skateboards produzieren.

Wiederverwenden kann Smit jedoch nicht alle Materialien, die er in den Kanälen von Amsterdam findet. „Wir fischen alles aus dem Wasser heraus, bis auf organische Materialen. Das was wir nicht verwenden können, entsorgen wir“, meint Smit dazu.

Nach der berühmten Gay-Parade in Amsterdam lädt Plastic Whale zum gemeinsamen Plastikfischen

Nach der berühmten Gay-Parade in Amsterdam lädt Plastic Whale zum gemeinsamen Plastikfischen

Sich selbst beschreibt der Amsterdamer als Fischer. Eine tägliche Routine, wie die seiner Tiere jagenden Kollegen. Meist sucht Smit nun in seinem Büro nach Sponsoren und Ideen, aber er hält auch den Kontakt mit den Medien. Für die „Erdarbeit“ des Fischens hat Smit nun eigene Kapitäne und Skippers. Unterstützt wird Smit aber auch von der Stadtverwaltung. „Die Stadt gibt uns keine finanzielle Hilfe, sie hilft uns logistisch“ erklärt Smit. Das Unternehmen erhält eine Lagehalle am Hafen von Amsterdam, um seine Schiffe unterzustellen. Mittlerweile sind es drei. Waternet, das Unternehmen das zuständig ist für die Säuberung der Kanäle, stellt Fischernetze zur Verfügung.

Während die Zahl an Touristen und Menschen in Amsterdam steigt, tue Waternet alles um die Gewässer der Stadt sauber zu halten, meint Smit. Aber ein Grund für den vielen Plastikmüll in den Kanälen sei eben auch ein logistisches: mit den Müllkörben in der Stadt: „Die Eimer können nicht so leicht gefunden werden, wie es eigentlich sein sollte. Es sind einfach nicht genug Eimer in der Stadt. Aber vor allem sollten die Mülleimer nicht als Müllkörbe gekennzeichnet werden.“ Marius Smit möchte nämlich die Einstellung gegenüber Plastik verändern.

Sieht nach einem guten Fang aus

Sieht nach einem guten Fang aus

„Mit Plastic Whale möchte ich den Menschen zeigen, dass Plastik nicht ein wertloses oder wegwerfbares Material ist. Indem ich ihnen unser Projekt vor Augen halte, möchte ich ihre Wahrnehmung von Plastik verändern“, argumentiert Smit für ein anderes Verhalten gegenüber Plastik. „Wir sind nicht Konsumenten oder Produzenten. Es ist ein Kreislauf.“

Würde es nach Smit gehen, wäre sein Unternehmen kein Geschäft mehr. Angesichts des Plastikmülls und seinen verheerenden Folgen für die Natur, welches nicht nur wunderschöne Strände, sondern auch Wildtiere und der Umwelt schade, will Smit seinen Teil tun, um das Problem der globalen Wasserverschmutzung zu lösen.

Bevor er jedoch sein Geschäft aufgibt, möchte Smit sein Unternehmen vergrößern. Beginnend in anderen niederländischen Städten, möchte er seinen lokalen Kampf gegen Plastikmüll ausweiten: „Unser Unternehmen ist nicht einfach in anderen Städten austauschbar. Wir wissen noch nicht wie wir unser Unternehmen in andere Städte exportieren “, überlegt Smit noch an einer Strategie. Aber mit einen Blick zurück auf den Beginn von Plastic Whale, mag das gar kein schlechtes Omen sein.

Die Deutsche Welle über Marius Smit und Plastic Whale

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