Haarig und Glatze

Mit dem Protest gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf begann Reinhard Uhrigs Kampf für eine atomfreie Zukunft. Nach Tschernobyl und Fukushima sieht der Global 2000 – Aktivist die Atomkraft in ihren letzten Atemzügen. Ein Gespräch über künstliche Wiederbelebungsversuche, neue „NGOs“ und eine andere Art der Schmelze.

Umweltressort: Herr Uhrig, die Atomkommission in Deutschland hat jüngst mehr oder weniger festgestellt, dass die Atomkonzerne ihrer gesetzlichen Pflicht nicht nachkommen können – sie die Kosten für den Atomausstieg nach dem Verursacherprinzip nicht bezahlen können. Das geplante Atomkraftwerk Hinkley Point C in Großbritannien ist ebenso wie jenes im finnischen Olkiluoto wesentlich teurer als angenommen. Seit Jahren argumentieren Sie, dass die Atomkraft keine günstige Alternative zur Eindämmung des Klimawandels sei. Fühlen Sie nun bestätigt?

Reinhard Uhrig: Wir sagen schon lange, dass die Atomkraft nicht wettbewerbsfähig ist. Was ich aber wichtig finde ist, dass nicht nur wir Ökos das sagen, sondern auch Wirtschaftsexperten bis zur Weltbank die Atomkraft für nicht marktwirtschaftlich halten. Rein aus marktwirtschaftlichen Gründen wurde noch nie ein Atomkraftwerk gebaut. Das wird es auch heute noch nicht.

Jedoch wird die Atomkraft von Regierungen in Ländern, wie Großbritannien, als wichtige Energieform zur Eindämmung des Klimawandels gesehen. Am Beispiel Deutschland sieht man, dass mit dem Ausstieg aus der Atomkraft der Kohleverbrauch steigt.

Das ist ein vorgeschobenes Argument, die neueste Ausrede der Atomlobby. Bis jetzt wurde immer darauf verwiesen, dass die Atomkraft für die Versorgungssicherheit oder die Netzstabilität benötigt wird. Sehr lange wurde auch behauptet, dass die Erneuerbaren unzuverlässig seien. In den 90er Jahren schaltete die Atomlobby Werbespots in Deutschland, die meinten, dass Erneuerbare Energieträger höchstens einen Prozent des Stroms zur Verfügung stellen könnten. Mittlerweile wird ein Drittel aus Erneuerbaren Energien produziert. Jetzt verkauft sich die Atomlobby als Klimaschützer.

Aber die Atomkraft ist doch eine CO2 arme Methode der Stromproduktion?

Betrachtet man die Emissionen bei der Produktionskette der Atomkraft, erkennt man zuerst, dass Atomkraft ein fossiler Energieträger ist. Das Uran wird mit hohem Energieaufwand aus dem Boden gekratzt. Dann wird es zerkleinert, angereichert und zu einem Atomkraftwerk, bei dessen Bau auch geringe Emissionen entstanden sind, transportiert. Hinzu kommt noch die ungelöste Frage der Endlagerung. Für 240.000 Jahre muss der Atommüll gelagert und sicher verwahrt werden. Angesichts der Terroranschläge in Paris und Brüssel ist die Gefahr, die von Atommüll ausgeht, groß. Daher wird man ihn unterirdisch lagern müssen. Es gibt viele Versuche zur unterirdischen Endlagerung von denen keiner funktioniert. Die Zeiträume sind so lang, dass es zu Wassereinbrüchen oder tektonischen Verschiebungen kommen kann. Auch Eiszeiten und Vulkanismus spielen eine Rolle. Das bedeutet, dass diese Endlagerstätten kontrolliert werden müssen. Gemessen an diesen aufwendigen Maßnahmen ist die CO2 – Bilanz eine Katastrophe. Berechnungen von Wissenschaftlern, ohne, dass die Endlagerung geklärt ist, kommen zu der positivsten Annahme von 88 bis 146 Gramm CO2  für eine Kilowattstunde Atomstrom. Das ist weit über den Werten der Erneuerbaren. Atomkraft ist nicht nur nicht wettbewerbsfähig, sie ist auch kein Klimaretter.

Von Seiten der Atomunternehmen wird argumentiert, dass durch eine fehlende CO2 – Steuer auf Kohle, Gas und Öl, aber auch durch die Förderung für die Erneuerbare der Strompreis zu niedrig sei, dass die Atomkraft konkurrieren könnte.

Die Atomlobby – über die häufig abstrakt gesprochen wird, die es jedoch wirklich gibt und die Foratom heißt – hat letztes Jahr die Gruppe Nuclear for Climate gegründet. Deren explizites Ziel war es bei der Pariser Klimakonferenz an die Förderung durch den Green Climate Fund zu kommen. Das wurde jedoch – auch von uns – verhindert. Bis jetzt ist die Technologie in dem Pariser Abkommen nicht vertreten. Genauso geht es der Lobby auch um öffentliche Subventionen im EU-Raum. In Hinkley Point soll der britische Steuerzahler über ein Umlagesystem das teuerste Atomkraftwerk aller Zeiten finanzieren. Nach dem jetzigen Stand des Subventionsrechts der EU ist das jedoch nicht zulässig, weil die Atomkraft nicht teil der Leitlinien für Staatsbeihilfen im Bereich Energie und Umwelt ist. Das ist eindeutig wettbewerbswidrig und daher klagt Österreich auch.

Durch die gesunkenen Einnahmen existiert bei den Atomkraftfirmen auch weniger Geld für Investitionen. Ein Großteil der Atomkraftwerke ist veraltet, in der EU sind sie im Durchschnitt dreißig Jahre alt.

Dreißig Jahre ist die ursprüngliche Auslegungsdauer für Atomkraftwerke. Sie sollten maximal dreißig Jahre im Netz sein. Aufgrund der hohen Drücke, der hohen Temperaturen und natürlich der hohen Neutronenflüsse tritt eine Versprödung des Materials ein. Das sieht man auch in einem der gefährlichsten Atomkraftwerk Europas: im tschechischen Dukovany, hundert Kilometer von Wien entfernt, wo das Material in einem sehr schlechten Zustand ist. Der Reaktor ist seit dreißig Jahren im Betrieb und soll eine Laufverlängerung bekommen. Wogegen Österreich, auch dank unserer Proteste, massive Proteste einlegen würde.

Wenn über den Ausstieg aus der Atomkraft nachgedacht werden sollte, was wäre bei solchen Atomkraftwerken wie Dukovany denkbar, die im Prinzip nicht mehr weitergeführt werden sollen, welche Rolle würden sie bei einen Ausstieg spielen, sollte neu investiert werden?

Im Jahr 2014 haben wir ein Szenario vorgestellt, in dem errechnet wurde, dass in der EU ein Atomausstieg bis 2030 gleichzeitig mit dem Einhalten der Klimaziele bis 2050 möglich wäre. Es gibt ein paar Länder mit größeren Herausforderungen, wie etwa Frankreich mit 58 Reaktoren. Aber es ist möglich. Der Schlüssel ist wenig überraschend die Energieeffizienz kombiniert mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energieträger. Natürlich ist es nicht möglich von heute auf morgen die Atomkraftwerke abzuschalten. Das würde zu Versorgungsengpässen führen. Gezielt jedoch, wie es Deutschland bis 2022 macht, kommen wir aus dem Mist raus. Laut dem Plan würden die gefährlichsten zuerst abgeschaltet. Das sind jene, die über dreißig Jahre alt sind und kein Containment haben, aber auch jene, die in Erdbebengebieten liegen, wie Fessenheim in Frankreich.

Aber ist der deutsche Atomausstieg ein gutes Beispiel?

Deutschlands Ansatz ist zu langsam, aber gut. Studien belegen, dass in Deutschland ein Atomausstieg bis 2017 möglich gewesen wäre. Die Geschichte von Atomausstiegen zeigt, dass die Bevölkerung so lange auf die Straßen gehen muss, bis Politik einsieht, dass die Atomkraft nicht mehr vertretbar ist. Die Politik von selber macht es nie. Das haben wir schon in Zwentendorf gesehen, aber auch in Italien 1986 nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl. In der Schweiz hat die Regierung dort überlegt wieder einzusteigen. Jetzt steigt die Schweiz wieder aus der Atomkraft aus. Auch zu langsam, aber sie tun es.

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Aufgrund der großen Kosten, die durch das Errichten von Atomkraftwerken entstehen, wird nach Alternativen in der Atomenergie geforscht. SMRs – Small Modular Reactors – sind standardisierte, kleine Reaktoren, die weniger Strom produzieren, aber wesentlich günstiger sind. Die britische Regierung investiert bis 2020 250 Millionen Pfund (314 Mio. Euro) in die Erforschung von SMRs. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Das ist ein Schmäh. Seit den 1950er Jahren kommt diese Propaganda, das muss ich wirklich sagen, immer dann auf, wenn erkannt wird, dass die großen Reaktoren nicht wirtschaftlich sind. Die logische Erkenntnis von vielen Forschern, aber auch manchen Medien ist, dass wenn die großen nicht wettbewerbsfähig sind – Economies of Scale – die kleinen schon gar nicht konkurrenzfähig wären. Es kann sich nur dann rechnen, wenn es eine wirkliche Massenproduktion gäbe. Derzeit gibt es jedoch keinen Markt für diese Massenproduktion von 20 – 40 MW-Reaktoren. Das viel schwierigere Problem ist aber Sicherheit, nicht nur innerhalb der, sondern vor allem von den Reaktoren. Mit der Terrorgefahr steigen die Sicherheitskosten exponentiell, da jede Anlage genauso sicher bewacht werden muss, wie ein großer Reaktor. Das ist wirtschaftlich nicht darstellbar. In den letzten sechzig Jahren hatte es schon mehrere Versuche gegeben: alle sind gescheitert. Das bekannteste Beispiel steht in den USA, der Enrico Fermi Reaktor. Dieser hatte eine Kernschmelze.

Vor kurzem hat die Europäische Kommission ihren Bericht zur zukünftigen Trends und nötigen Investitionen in der EU-Atomwirtschaft (Pinc) veröffentlicht. Zwischen 450 und 500 Milliarden schätzt die Kommission müsste in die Reaktoren investiert werden, damit sie in Zukunft die gleiche Menge an Strom liefern. Ausgehend von diesem Bericht – wichtige Angaben zu der Haftpflichtversicherung für die Atomunternehmen wurden nicht gemacht – wie sehen Sie die Entwicklung innerhalb der Europäischen Union zur Atomkraft?

Wir haben diesen Bericht bereits letzte Woche kommentiert. Auch wurde uns bereits eine Rohfassung im Februar geleakt. Es ist klar, dass die Atomlobby und einige pro-atomare Länder weiter versuchen die gescheiterte Technologie Atomkraft mit öffentlichen Subventionen am Leben zu halten. Die Annahme, dass man die bestehende Reaktorflotte von 129 Reaktoren in der EU mit 500 Milliarden Euro ersetzen kann, ist ein völliger Scherz. Der finnische Reaktor Olkiluoto, auch wenn immer behauptet, dass er ein Proto-Typ sei, kostet zehn Milliarden Euro. Die alten sowjetischen Reaktoren im slowakischen Mochovce, die gerade fertiggestellt werden, verschlangen weit mehr als die anberaumten Kosten. Das sind über drei bis vier Milliarden Euro für einen recht kleinen Reaktor. Das heißt: die Kostenannahme der EU bezweifeln wir stark. Das gilt auch für die Laufzeitverlängerung der bestehenden Reaktoren, die in dem Bericht angedacht wird. Das viele Reaktoren bis 2025 vom Netz müssten, ignoriert die Kommission. Auch die Annahme der Kosten bis dahin ist viel zu gering. Der französische Rechnungshof hat jüngst nur für das Upgraden der französischen Reaktoren um zehn Jahre einen Betrag von 110 Milliarden Euro angenommen. Nochmal: nicht nur wir, sondern auch liberale Wirtschaftsexperten, sagen, dass die Atomkraft nicht rentabel ist.

Am anderen Ende des eurasischen Kontinents wächst die Atomkraft jedoch. China vergrößert seine Atomkraftproduktion seit Jahren?

Weltweit sieht man nur in den nicht-demokratischen Ländern einen nennenswerten Ausbau von Atomkraftwerken. China jedoch baut die Erneuerbaren wesentlich stärker aus und diversifiziert damit seine Energiequellen radikal. Auch aufgrund der massiven Probleme, die sie mit der Kohle haben. Die Atomkraft ist für China natürlich auch ein militärischer Faktor. Das ist immer die schmutzige Tochter der zivilen Nutzung.

Aber auch in Entwicklungsländer, wie Bangladesch gibt es mit der Hilfe von Russland ein Atomkraftprojekt. Denken Sie, dass die Atomkraft als Ersatz für Kohle in Entwicklungsländern wachsen wird?

Viele von diesen Projekten sind reine Papierprojekte. Die Russen haben weltweit ein wirklich sehr aggressives Programm mit ihren weiterentwickelten Druckwasserreaktoren. Derzeit passiert das jedoch nur wirklich in Weißrussland und Indien. Das russische System funktioniert dabei fast wie ein „Rundum-sorglos Paket“. Man kann dies am ungarischen Atomkraftwerk Paks sehen. Die Russen zahlen einen Kredit an das jeweilige Land, bauen das Atomkraftwerk, besitzen das Atomkraftwerk und nehmen den Müll zurück. Danach verlangen sie sehr hohe Strompreise von dem jeweiligen Land. Der Knackpunkt ist jedoch, dass die Russen aufgrund des niedrigen Ölpreises und der wirtschaftlichen Probleme kein Geld mehr haben. Projekte in Ägypten oder Jordanien existieren auf dem Papier, aber da ist sehr wenig dahinter. Ein Phänomen, das in vielen Entwicklungsländern erkennbar ist.

Am 26. April jährt sich die Katastrophe in Tschernobyl. Dreißig Jahre danach haben Sie den Radiologen Dr. Ian Fairlie mit einer Aktualisierung seiner Studie „Torch – the other report on Chernobyl“ beauftragt. In dieser Studie kommt Dr. Fairlie zu dem Schluss, dass neben Weißrussland Österreich am zweitstärksten durch das Unfall betroffen wurde. Dreißig Jahre danach, ausgehend von der Studie, wie sehen Sie Österreich und seine Haltung zur Atomkraft?

Österreich ist aus der Zwentendorf – Tradition heraus erfreulicherweise sehr antiatomar. Es tritt sehr aktiv in Europa, wenn nicht weltweit gegen die Atomkraft auf. Das sieht man auch an der Klage gegen die Förderungen für das Kraftwerk Hinkley Point. Wenn es aber darum geht die Folgen der Tschernobyl – Katastrophe zu sehen, denken sich viele: „Es ist lang her und weit weg“. Deshalb haben wir Dr. Fairlie beauftragt, finanziert durch die Umweltanwaltschaft und die Stadt Wien. Vor zehn Jahren hat Ian Fairlie seine erste Studie veröffentlicht. Damals war ich überrascht, dass Österreich so viel abbekommen hat, bedingt durch den Niederschlag nach der Katastrophe. Nach Weißrussland wurde in Österreich dadurch die meiste Fläche kontaminiert. Das dies gesundheitliche Auswirkungen hat, war mir klar. Das Bewusstsein dafür ist aber bei den Behörden, beispielsweise bei der Lebensmittelaufsicht, nicht da. Wir wollen daher, dass die österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) flächendeckend konkrete Testprogramme für etwa Cäsium einführt. Die Bevölkerung sollte richtig informiert werden, man sollte Verhaltensregeln aussprechen. Das Gesundheitsministerium macht dies bereits beispielsweise für bestimmte Pilze.

Zu gesundheitlichen Folgen der Atomkraft, aber auch zu den Statuten der International Atomenergie-Organisation (IAEO) fordern Sie in einer Petition den österreichischen Außenminister auf, sich bei der nächsten Generalversammlung der IAEO im September dafür einzusetzen, dass der Vertrag zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Atombehörde aufgehoben wird, aber sich auch die IAEO nicht mehr für die zivile Nutzung der Atomkraft einsetzen soll. Haben Sie bereits Kontakt zu Sebastian Kurz aufgenommen?

Wir haben mit dem Herrn Kurz noch nicht gesprochen. Den Push der Anti-Atomkraftbewegung gibt es schon lange dieses Statut zu ändern. Es ist ja auch ein Anachronismus. In den 50er Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, wollten die Staatschefs unter dem Motto von Dwight D. Eisenhowers Ausspruch „Atoms for Peace“ die Atomkraft regulieren. Zur Kontrolle hat die IAEO noch heute ein Mandat, siehe den Iran. Es ist jedoch auch Teil ihrer Statuten seit den 50er-Jahren, dass die IAEO sich auch für eine zivile Nutzung der Atomkraft einsetzen soll. Genauso wie die Euratom gehört dies abgeschafft. Dafür wollen wir Bewusstsein schaffen.

Wie realistisch ist das aber?

Es ist ein schwieriger, langsamer Prozess. Weltweit gibt es in 31 Ländern Atomkraftwerke, die riesige Mehrheit besitzt keine. Wir sehen es als Aufgabe von Österreich an, Koalitionen zu schmieden und Bewusstsein zu schaffen. Damit müssen wir zumindest beginnen.

Die zweite Katastrophe, die sich heuer jährt ist das Erdbeben in Japan und das Atomunglück in Fukushima. Fünf Jahre danach werden in den einst verlassenen Gebieten wieder Menschen von der Regierung animiert, zurückzukehren. Aber auch die Atomkraft soll in diesem Japan wieder genützt werden. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Ich halte den Umgang der japanischen Regierung mit der Atomkatastrophe für grob fahrlässig. Jene Menschen, die in ihre Heimat zurückzukehren, sind einer Strahlung von zwanzig Millisievert ausgesetzt. Zum Vergleich: der EU-Grenzwert liegt bei einem Millisievert. Zwanzig Millisievert sind der Grenzwert für Mitarbeiter in Atomkraftwerken. Dort Kinder wohnen zu lassen, ist aus medizinischer Sicht sorglos. Seit der Katastrophe protestierten tausende Japaner auf der Straße gegen die Atomkraft – ohne Erfolg. Die Abe-Regierung setzt weiterhin auf die nukleare Energie. Die japanischen Anti-Atomkraftaktivisten haben nun ihre Strategie gewechselt. Sie klagen nun gegen das Wiederhochfahren von Reaktoren. Mit Erfolg, wie das Beispiel in Takahama zeigt. Zudem fordern sie vom Fukushima-Betreiber volle Entschädigung für ihre Gemeinden, nicht nur die versprochene Übergangsrenten. Für mich ist das Atomkraftwerk in Fukushima weit davon entfernt unter Kontrolle zu sein. Auf dem Gelände sind weiterhin 1100 Behälter mit radioaktivem Wasser gelagert. Es gibt noch keine Idee, wie die geschmolzenen Brennelemente – über siebzig Tonnen an Chorium – die sich in den Beton der Reaktoren gebohrt haben, entfernt werden soll. Der Chef der Aufräumarbeiten von dem Atomunternehmen Tepco hat vor kurzem gesagt, dass sie keine Ahnung hätten, wo dieser Brennstoff wirklich sei. Das ist eine gigantische Herausforderung. Wir betreten hier totales Neuland.

(Das Interview wurde vor den schweren Erdbeben in Kumamoto, im Süden Japans, in der Nähe des Kraftwerks Sendai aufgezeichnet)

Am 21. April veranstaltet Global 2000 ein Benefizkonzert für die Kinder von Tschernobyl. Mit dem Geld werden Kinder in der Ukraine unterstützt, die an den gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe leiden. Information dazu kann hier gefunden werden.

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